Mitteilungen 11-12/2013, Seite 415, Nr. 222

10. Landessportkonferenz verabschiedet Empfehlungen zum Thema "Sport und Gesundheit"

Die Universität Potsdam war am 25. Oktober 2013 Gastgeber der 10. Landessportkonferenz, bei der es um das Thema Gesundheit durch Sport und körperliche Aktivität ging. Die Konferenz fand auf dem Campus Am Neuen Palais in Potsdam statt. Brandenburgs Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Frau Dr. Münch, berichtete über die Entwicklung des Sports im Land Brandenburg. Anschließend wurde in Vorträgen und Diskussionen die gesundheitsfördernde Wirkung körperlicher Aktivität in allen Lebensphasen thematisiert. Die Tagung leitete der Vorsitzende der Landessportkonferenz, Prof. Dr. med. Frank Mayer, Dekan der Humanwissenschaftlichen Fakultät und Direktor der Hochschulambulanz der Universität Potsdam.

Dass Sport und regelmäßige Bewegung Körper und Geist fit halten und Krankheiten vorbeugen, ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt worden. So konnten Effekte für die Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, des metabolischen Syndroms sowie von psychischen Störungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats nachgewiesen werden. Diese positiven Wirkungen zeigen sich bis ins hohe Alter.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels thematisierte die 10. Landessportkonferenz die Bedeutung körperlicher Aktivität über die gesamte Lebensspanne, im Alltag ebenso wie in der Prävention und der Rehabilitation. Hierzu referierten Experten der Universität Potsdam wie der Kardiologe Prof. Dr. med. Heinz Völler, Professor für Rehabilitationswissenschaften, und Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Rapp, Professor für Sozial- und Präventivmedizin. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der körperlichen Aktivität und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter. „Die Schule spielt hierbei eine wichtige Rolle: Wenn Kinder frühzeitig lernen, sich gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben, prägt sie das für ihr ganzes Leben“, so Prof. Dr. Frank Mayer. Entsprechend gab die Landessportkonferenz am Ende ihrer Tagung Empfehlungen zur Unterstützung des Sporttreibens in allen Lebensphasen und vielen gesellschaftlichen Bereichen.

Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg war in dieser Landessportkonferenz durch Frau Gordes, stellvertretende Geschäftsführerin, und Herrn Herrmann, Beigeordneter der Stadt Schwedt/Oder und Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend, Kultur und Sport des Städte- und Gemeindebundes, vertreten. Frau Gordes hat unter dem Stichwort Sportstätten und Bewegungsangebote nachfolgend abgedruckte Positionierung des Verbandes abgegeben. Herr
Herrmann hat deutlich gemacht, dass es vermehrt in den Städten und Gemeinden auf die Gestaltung der Infrastruktur und von öffentlich zugänglichen Wegen und Plätzen ankommt, die sich Bürger für ihre Art von Sport und Bewegung aneignen und zu Nutze machen können. Wenn Deiche neu gebaut würden, müsse es möglich sein, dass der Belag anschließend von Fahrradfahrer oder Skatern genutzt werden könne. Bei dem Thema Bewegungsangebote und Gesundheitsförderung gehe es nicht um den formalisierten Sport. Beide kommunalen Vertreter wiesen darauf hin, dass die Arbeit des Landessportbundes wichtig sei. Dieser könne sich jedoch ebenso wie einige Sportvereine mehr des Themas der Breitensportförderung und der Gesundheitsförderung annehmen. Hier gäbe es in Brandenburg im Vergleich zu den Sportvereinen in anderen Bundesländern noch Potentiale.

"Sportstätten und Bewegungsangebote – Position des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg

Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg begrüßt, dass die Landessportkonferenz sich mit dem Thema Sport und Gesundheit befasst. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der älter werdenden Gesellschaft in Brandenburg ist es notwendig, den Blick mehr auf die Gesundheit, die Gesundheitsförderung und die Wirkungen, die Sport und Bewegung für die Gesunderhaltung erzielen können, zu richten.

Die Gesundheitsförderung ist nicht vordergründig eine Aufgabe der Kommunen, vielmehr stehen hier die Gesundheitsberufe und die Krankenversicherungssysteme in der Verantwortung. Gleichwohl werden Gesundheit und Prävention mehr und mehr zum Thema von Kommunen.

Festzustellen ist zunächst, dass jeder selbst für die Erhaltung der eigenen Gesundheit verantwortlich ist. Diese Verantwortung trifft den Einzelnen auch gegenüber der Gesellschaft. Sie ist insbesondere denjenigen, die Medikamentenmissbrauch begehen oder Doping verüben, bewusst zu machen. Die Verantwortlichkeit des Einzelnen ist in der Öffentlichkeit zu kommunizieren und deutlich zu machen. Beispielsweise kann dies auch über die öffentliche Gesundheitsberichterstattung der Gesundheitsämter oder des Gesundheitsministeriums erfolgen; hier kann auf die Gesundheitsrisiken hingewiesen werden.

Weiter ist festzuhalten, dass Sport dem Individuum dient, das heißt aus ganz individuellen persönlichen Gründen heraus erfolgt, und nicht aus gesellschaftlichen, sozialen oder kulturellen Gründen heraus. Im gesellschaftlichen Leben oder im Zusammenhalt der Gesellschaft mögen Rückwirkungen entstehen, diese sind jedoch lediglich mittelbar Auswirkungen des Individualsports und nicht Ziel des Sports.

Bei der Behandlung des Themas Sportstätten und Bewegungsangebote haben die Kommunen zu berücksichtigen, dass die Mehrzahl der Menschen außerhalb von Sportvereinen und Sportstätten ihrem Sport nachgehen. Mit dem Phänomen, dass 70 % der Menschen sich außerhalb von Vereinen und Sportstätten sportlich betätigen, hat sich die 7. Landessportkonferenz unter anderem befasst. Die Mehrzahl der Menschen nutzt den öffentlichen Raum für individuellen Sport. Für die Städte und Gemeinden bedeutet dies, dass sie ihr Augenmerk nicht nur auf Sportstätten richten dürfen, vielmehr die gesamte Infrastruktur so bauen müssen, dass diese für Bewegung des Einzelnen, für selbstinitiierte Gruppen, aber auch für Kontakt und Begegnung genutzt werden können. Letzteres, nämlich die Ermöglichung sozialer Beziehungen und Kommunikation, ist für die Gesunderhaltung der Menschen ebenso wichtig wie die körperliche Gesunderhaltung; hierdurch kann vor Vereinsamung oder vor dem Nachlassen anregender Gehirntätigkeit, Stichwort geistige Gesundheit, geschützt werden.

In den sportlichen oder bewegungsfördernden Angeboten der Kommunen, der Sportvereine, der Volkshochschulen oder Krankenkassen muss auf Zielgruppen eingegangen werden. Die Angebote sind auf die Zielgruppen auszurichten, weil sich die Sportnachfrage zunehmend ausdifferenziert und weil die Motivation für Sport und Bewegung je nach Zielgruppe unterschiedlich ist. Angebote können sich an alle gesellschaftlichen Schichten richten; es ist jedoch darauf zu achten, dass bildungsferne Familien oder Bevölkerungsgruppen im Sinne der Chancengleichheit mitgenommen werden. Ebenso wie in anderen Planungsprozessen ist auch hier auf eine Beteiligung der Menschen Acht zu geben, damit ihre Bedarfe ermittelt werden können und ihnen die Angebote vermittelt werden.

Aus Sicht der Städte und Gemeinden ist der Breiten- und Gesundheitssport insgesamt zu fördern. Der Fokus ist nicht auf einzelne Sportarten oder den Leistungssport zu legen, vielmehr sind alle Bevölkerungsgruppen in den Blick zu nehmen, damit gesundes Altern möglich wird.

In der Sportentwicklungsplanung ist auf die Alterung der Bevölkerung zu achten, das heißt, die Sportentwicklungsplanung ist danach auszurichten. Wo der Erhalt von Sportstätten wegen der demografischen Entwicklung kaum noch möglich ist, müssen andere Orte der Bewegung gefunden werden, wie beispielsweise Lauftreffs, Fahrradtouren, Sportgruppen in Gemeindesälen, Gastwirtschaften oder in privaten Räumen.

Wie bereits in der Landessportkonferenz 2007 festgehalten, sollten Sportanlagen und Sportstätten bedarfsgerecht sein, das heißt, sie sollten für mehrere Sportarten und alle Bevölkerungsgruppen nutzbar sein. Bei ihrer Errichtung oder dem Ausbau ist auf die Bedarfe von Frauen und älteren Menschen Rücksicht zu nehmen.
Städte und Gemeinden können mit dem Ziel der Gesundheitsförderung und Bewegungsförderung einen Moderationsprozess anschieben, indem sie alle Einrichtungen und Dienste, die verschiedenen Akteure im Sport, wie private Anbieter, Sportvereine, Therapeuten, Gesundheitsberufe, Krankenkassen und Selbsthilfegruppen, den Seniorenbeirat und Vertreter von Menschen mit Behinderungen einbeziehen in eine Diskussion. Städte und Gemeinden können die Moderation der verschiedenen Akteure übernehmen und sie in einen fachlichen Austausch bringen, damit Bewegungsangebote in der Kommune wohnortnah entstehen.

Die Gesundheitsförderung bzw. gesundheitliche Aspekte sind bei allen Fachplanungen der Kommune mitzudenken und zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere bei der Sportentwicklungsplanung und beim Sportstättenbau oder der Sportstättenpflege, bei der Sportförderung, bei der Vereinsförderung oder bei der Förderung sozialer Angebote, bei der Aufstellung von Flächennutzungsplänen oder Bebauungsplänen, bei der Kulturentwicklungsplanung oder der Entwicklung lokaler Pflegelandschaften. Die Fachplanungen können stadtteil- oder quartiersbezogen sein, jedenfalls sollten sie wohnortnah sei. Studien haben ergeben, dass Menschen an Angeboten, die sehr gut und nah ihrer Wohnung zu erreichen sind, regelmäßiger teilnehmen. Eine regelmäßigere Teilnahme wiederum hat unterstützende Wirkung auf die körperliche und geistige Gesundheit, insbesondere bei alten Menschen schützt sie vor Vereinsamung. Netzwerke, wie beispielsweise gemeinsame Lauftreffs, entstehen eher in der Nachbarschaft und bleiben hier auch eher bestehen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für Städte und Gemeinden bei dem Thema Sport und Gesundheit nicht nur um Sportstätten geht, sondern vielmehr darum, den öffentlichen Raum derart zu gestalten, dass Bürger ihn annehmen und für die eigene Bewegung nutzen. In diesem Sinne können Kommunen die Gesundheitsförderung als eine eigene Gestaltungsaufgabe begreifen und annehmen."

Die Empfehlungen, die die 10. Landessportkonferenz verabschiedet hat, sind hier abrufbar.

 

Monika Gordes, stellvertretende Geschäftsführerin

Az: 305-09