Mitteilungen 11-12/2015, Seite 433, Nr. 214

Werner Große mit Hardenberg-Stein-Preis 2015 geehrt

Der Verband der Kommunalen Wahlbeamten im Land Brandenburg (VKW BB) hat anlässlich seiner diesjährigen Mitgliederversammlung am 30. Oktober 2015 die Hardenberg-Stein-Medaille an unseren vormaligen Präsidenten und Bürgermeister a. D. der Stadt Werder (Havel) Werner Große verliehen.
Mit diesem Preis und der Medaille werden Persönlichkeiten aus dem Land Brandenburg für besondere Verdienste für die kommunale Selbstverwaltung geehrt. Die Laudatio hielt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher:

„Anrede …

Heute habe ich die Ehre, in Ihrem Kreise mit einer Laudatio die Verdienste Ihres Mitgliedes, Herrn Bürgermeister a. D. Werner Große, Stadt Werder (Havel) als langjährigen Präsidenten des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg zu würdigen und daher begrüße ich in ganz besonderer Weise vor allem Dich, lieber Werner, hier im Schützenhaus Deiner Heimatstadt Werder (Havel).

Lieber Werner, Deine Verdienste für die kommunale Familie sollen hier und heute mit der Verleihung des Hardenberg-Stein-Preises gewürdigt werden. So jedenfalls steht es in der Einladung. Ich erwähne dies, weil der Verband der Kommunalen Wahlbeamten im Land Brandenburg ausweislich seiner Homepage den Stein-Hardenberg-Preis verleiht und sich natürlich die Frage stellt, worin denn nun diese Namensdrehung begründet liegt? Aus meiner Sicht darin, dass beide Persönlichkeiten, Freiherr vom und zum Stein und Graf von Hardenberg als Reformer im Land Brandenburg gewirkt haben und beiden noch heute so viel Bedeutung zukommt, dass sie abwechselnd namentlich zuerst genannt werden sollten.

Der Verband der Kommunalen Wahlbeamten besinnt sich seit vielen Jahren im Kernland des Staates Preußen, unserem Brandenburg, beider Reformer zur Erinnerung an das Kernstück der damaligen Reformen, die eine Neuordnung der Kommunalverwaltung in Preußen bedeuteten. Nach über 200 Jahren ist sie bis heute die bekannteste Gemeindeordnung geblieben und markiert den Beginn der Geschichte des modernen deutschen Gemeindeverfassungsrechts.

Und vor diesem Hintergrund verleiht der Verband der Kommunalen Wahlbeamten den Stein-Hardenberg-Preis (oder Hardenberg-Stein-Preis?) an Persönlichkeiten, die sich um kommunalpolitische Belange in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Zu diesen Persönlichkeiten gehörst nun Du, lieber Werner. Du wirst Dich als Preisträger künftig einreihen in Dir - und auch uns allen bekannte Persönlichkeiten, als da sind,  Innenminister a.D. Alwin Ziel, MdL, Innenminister a.D. Jörg Schönbohm, Oberbürgermeister a.D. Waldemar Kleinschmidt, der im Städte- und Gemeindebund Brandenburg Dein Vorgänger in der Funktion des Präsidenten war, und den wir heute ebenso herzlich begrüßen können und Ministerpräsident a. D. Dr. Manfred Stolpe.

Als dann „jüngster“ Preisträger darfst Du zurückblicken auf Dein Werk, auf Dein Wirken, das für die kommunale Familie und damit für die kommunalen Belange so umfänglich war und immer noch ist, dass ich hier heute nur Meilensteine herausgreifen kann:

Daher möchte ich meine Würdigung mit einer Frage beginnen: Was verbindet Dich, Werner Große mit dem 9. November? Werner Große ist am 9. November 1949 geboren. Werner Große war seit November 1989 Bürgermeister der Stadt Werder (Havel) und damit hat er die zweitlängste Dienstzeit eines hauptamtlichen Bürgermeisters in Brandenburg seit 1989 geleistet!
Ein Ereignis darf natürlich auch nicht ausgeblendet werden – der Mauerfall eben auch am 9. November 1989, der Grundstein für die Wiedervereinigung unseres deutschen Vaterlandes und vor allem Wiederentstehen der kommunalen Selbstverwaltung in diesem Teil Deutschlands! 

Werner Große war in diesem Prozess nicht nur Aktivist der 1. Stunde, er hat bei Wiederwahlen stets „Traumergebnisse“ erzielt, ich erinnere mich an den 14. März 2010, wo Du mit 81,77 % der Stimmen im ersten Wahlgang gewählt wurdest!

Werner Große war seit 2002 und damit über 12 Jahre Präsident unseres kommunalen Spitzenverbandes der Städte, Gemeinden und Ämter im Land Brandenburg. Diese 12 Jahre einer Präsidentschaft waren nicht nur durch die Zeit, sondern vor allem durch den kollegialen und kameradschaftlichen Führungsstil von Werner Große geprägt.

Er hat uns nicht nur auf Landesebene repräsentiert, sondern uns auch über lange Jahre im Präsidium und dem Hauptausschuss des Deutschen Städte- und Gemeindebundes vertreten und ich durfte dabei an seiner Seite sein. Werner Große hat die Interessen der Kommunen darüber hinaus über viele Jahre im Verwaltungsrat des Kommunalen Schadensausgleiches und zudem ebenfalls über viele Jahre im rbb-Rundfunkrat vertreten.

Dass Werner Große trotzdem immer seine Bodenständigkeit beibehalten hat, zeigen nicht nur seine Wahlergebnisse, sondern auch seine weiteren Aktivitäten in seiner Heimatstadt, so in verschiedenen Sportvereinen. Werner Große war aber vor allem kommunalpolitisch aktiv und dies von 1995 bis 2002 auch als Vorsitzender des Bildungswerkes der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) und ist dort dessen einziges Ehrenmitglied.

Wie viele andere Kolleginnen und Kollegen habe auch ich in der langjährigen Zusammenarbeit mit Werner Große immer seine offene, ehrliche und kollegiale Zusammenarbeit geschätzt. Die Präsidiumssitzungen hat Werner Große stets ergebnisorientiert geleitet, manchmal mit Hilfe von Unkonventionellem und immer wirkungsvoll und oft mit einer Prise Humor.

Nicht die lauten Töne, sondern die moderaten stimmt Werner Große an. Diese waren im Städte- und Gemeindebund Brandenburg genauso Baustein wirkungsvollen Handelns wie im Deutschen Städte- und Gemeindebund, in dem Werner Große unsere gemeinsamen kommunalen Belange auf Bundesebene vertreten hat. Es ist häufig durchaus schwierig, in kommunalen Gremien und Gruppen konsensfähige Lösungen zu entwickeln. Bei der Vielfalt der Interessen und bei der Vielfalt der kommunalen Aufgaben ist dies gar nicht anders denkbar, jedenfalls nicht in einem demokratischen Staate, in dem wir dankenswerter Weise leben dürfen und den wir uns mit den zugehörigen schwierigen Diskussionen ja alle auch erhalten wollen. Und in diesen Diskussionen ist es Werner Große immer gelungen, selbst „Hoch- oder Tiefflieger“ auf den Boden der Sachdebatte zurückzuführen.

Fast könnte man sagen, dass bei so viel Geschick, bei so viel unermüdlichem und uneigennützigem Einsatz für die kommunalen Belange das Aufblühen der eigenen Stadt die wohl treffendste Rückmeldung zum Wirken Werner Große’s ist. Denn dieser Geist in einer kommunalen Familie, einer Kommune, einer Stadtgesellschaft eben, der sprüht und empfängt, reißt die Leute mit, bewegt sie und bewirkt Positives. Wir alle wissen das. Und so ist die Stadt Werder (Havel) eine liebens- und lebenswürdige Stadt für die Bürgerinnen und Bürger und die Besucher der Stadt geworden. Und darüber hinaus für die kommunale Familie. Unzählige Male stellte Werner Große seine Stadt als Gastgeber für kommunale Veranstaltungen zur Verfügung, war selber Gastgeber und von Gästen geschätzt. Die Teilnehmer/innen, die hier in dieser Stadt verweilten, waren einfach nur zufrieden und das ist viel, sie fühlten sich wohl und trugen diesen Geist mit in ihre Gemeinden. Davon profitieren alle und weil so vieles nachwirkt, werden die Städte und Gemeinden auch weiterhin von diesem Geiste profitieren.

Viele Entwicklungen, die die Bürgerinnen und Bürger schon für heute, mindestens aber morgen erwarten, brauchen Zeit, manchmal mehr als man glaubt, konsequente Zielverfolgung und beherzte Führung. Auch gerade für diese Eigenschaften hat Werner Große in der kommunalen Familie immer gestanden. Werner Große wurde damit ein Vorbild für viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, nicht nur in Brandenburg, sondern auch in ganz Deutschland. Themen der Stadtentwicklung, des demografischen Wandels oder der interkommunalen Zusammenarbeit hat Werner Große dabei in besonderer Weise aufgegriffen. Ebenso die unmittelbare Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, die Werner Große immer ein besonderes Anliegen war.

Und schließlich noch nicht genug damit: Werner Große war auch Delegierter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes im Weltverband der Kommunen (dem sogenannten „UCLG“) und hat dort den Weitblick bewiesen, den wir alle brauchen, um die Städte und Gemeinden von morgen zu gestalten. Denn unsere Städte und Gemeinden sind der wesentliche Baustein eines Staatsgefüges, das von unten geprägt ist - von der Basis. So gesehen, darf ich Dich, lieber Werner, auch noch als „Exporteur“ der kommunalen Selbstverwaltung in Europa und darüber hinaus bezeichnen.
Und zu gutem Schluss, wieder hier in Brandenburg, waren Deine weitblickenden Ansichten wertvolle Beiträge, die Du als nichtparlamentarisches Mitglied in die Enquete-Kommission des Landtages Brandenburg „Kommunal- und Landesverwaltung – bürgernah, effektiv und zukunftsfest – Brandenburg 2020“ für den Zeitraum von April 2011 bis Oktober 2013 einbringen konntest.

Für all´ dieses Wirken, was ich jetzt nur ausschnittsweise schildern konnte, haben wir Werner Große, unmittelbar nach dem offiziellen Bekanntwerden, dass er aus seinem Amt ausscheiden wird, für die Verleihung mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagen.
Dieses sollte eigentlich im Rahmen seiner Verabschiedung auf unserer Mitgliederversammlung am 10. November 2014 erfolgen – weit gefehlt anzunehmen, annährend ein halbes Jahr Antragsbearbeitung sollten dafür ausreichen. Schon bei der Antragstellung musste ich staunend erfahren, so etwas dauere mindestens ein Jahr!
Aber was lange währt wird gut, am 24. Juni 2015 überreichte Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke bei einem Empfang in der Staatskanzlei und persönlicher Laudatio Werner Große das Verdienstkreuz am Bande – Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland: Noch einmal herzlichen Glückwunsch!

Bei uns im kommunalen Bereich geht vieles eben doch schneller ...

Lieber Werner, ich darf Dir heute gemeinsam mit dem Präsidenten des Verbandes der Kommunalen Wahlbeamten Thomas Zenker und dem Vizepräsidenten Landrat a. D. Hans Lange für all das Gesagte danken, Deine Verdienste hier und heute in diesem Sinne mit der Verleihung des Hardenberg-Stein-Preises würdigen und Dir für all das noch Kommende alles erdenklich Gute wünschen, allem voran stets zufriedene Gesundheit.“

Im Anschluss an die Preisverleihung klärten Herr Präsident Thomas Zenker und sein Stellvertreter Hans Lange die Sache mit der Namensgebung für den Preis auf. Seinerzeit habe man im Präsidium über eine solche Auszeichnung an verdienstvolle Persönlichkeiten diskutiert. Schnell war man sich einig, dass diese die Namen der beiden Verfasser der vor über 200 Jahren entstandenen preußischen Gemeindeordnung sein sollten. Von Landrat Hans Lange wurde damals vorgeschlagen, Hardenbergs Namen voranzustellen, da dieser ein „echter“ Preuße gewesen sei, wohingegen Freiherr vom Stein im Lippischen beheimatet war. Diesem Vorschlag ist das Präsidium des Verbandes der Kommunalen Wahlbeamten gefolgt und hat damit auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal geschaffen!