Mitteilungen 01/2014, Seite 9, Nr. 3

Kleine Geschichte des neuen Landtagsgebäudes: Der lange  Weg vom Stadt- zum Landtagsschloss 

Katrin Rautenberg, Leiterin Präsidialbüro/Pressesprecherin, Landtag Brandenburg

1. 22 Jahre bis zur endgültigen Unterbringung des Parlaments

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 und den Landtagswahlen in Brandenburg am 14. Oktober 1990 wurden der Landtag und die Landesregierung zunächst gemeinsam in der ehemaligen Kadettenanstalt und dem vorherigen Sitz des Rates des Bezirkes Potsdam am Standort Heinrich-Mann-Allee 107 untergebracht, dem heutigen Sitz der Staatskanzlei. Dort hatte auch schon der 1946 gewählte Landtag getagt. Die Unterbringung des Parlaments in diesen Räumlichkeiten hätte allerdings die Unterbringung der Landesregierung auf dem Brauhausberg zur Folge gehabt, was sofort auf erhebliche Bedenken gestoßen war, insbesondere wegen der früheren Nutzung als SED-Bezirksleitung.

Am 16. Januar 1991 beschlossen die Parlamentarier, künftig die Liegenschaft auf dem Brauhausberg als Parlamentsgebäude nutzen zu wollen. Vorausgegangen war das (haltlose) Gerücht, die Bausicherheit des bis dahin genutzten Plenarsaals in der Heinrich-Mann-Allee sei nicht gewährleistet.  Obwohl Experten für den Havelblick 8 eine dauerhafte Nutzung wegen der fehlenden Funktionalität für ein Parlament nicht empfehlen konnten, zogen die Abgeordneten nach den notwendigsten Bauarbeiten schließlich doch im sogenannten „Kreml“ ein; die erste Plenarsitzung des Landtages Brandenburg auf dem Brauhausberg fand am 25. September 1991 statt.

Nach langer Diskussion über eine endgültige Unterbringung des Parlaments und aufgrund des großen Engagements von Bürgern, Vereinen und Mäzenen, die bereits den Wiederaufbau des „Fortunaportals“ ermöglicht hatten, fasste der Landtag am 20. Mai 2005 einen Grundsatzbeschluss, der den Weg frei machte für einen Neubau im Herzen der Stadt Potsdam mit der Fassade des alten Stadtschlosses, das durch einen britischen Luftangriff im April 1945 zerstört und 1959/1960 abgerissen worden war. Nach 3 ½ jähriger Bauzeit wurde der Neubau am 10. Oktober 2013 vom Minister der Finanzen des Landes Brandenburg, Dr. Helmuth Markov, an Landtagspräsident Gunter Fritsch übergeben. Mit der Eröffnung dieses modernen Parlamentsgebäudes in historischer Hülle konnte im 25. Jahr der Friedlichen Revolution die seit 1959 klaffende städtebauliche Wunde der Landeshauptstadt geschlossen werden.

Die Fertigstellung des Landtages war zunächst für Ende 2012 und der Umzug für Anfang 2013 vorgesehen. Mit dem Umzug vom 12. bis 16. Dezember 2013 konnte das Parlament aber seinen Betrieb noch im Jahr 2013 aufnehmen.

2. Von der mittelalterlichen Turmburg zum Renaissanceschloss der Kurfürstin Katharina

Das Gelände des Schlosses gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten in Potsdam. Nach archäologischen Erkenntnissen ist es seit der Steinzeit immer wieder wegen der vom Hochwasser geschützten Lage als Siedlungsplatz genutzt worden. Von diesem Standort aus entwickelte sich im Laufe der Zeit die Stadt Potsdam.

933 fand der slawische Burgort „Poztupimi“ die erste urkundliche Erwähnung. Westlich der slawischen Burg (Kreuzung Heiligen-Geist-Straße/Burgstraße) wurden um 1200 Straßen und Wohnquartiere abgesteckt. Direkt unter der Kutschauffahrt fanden Archäologen Spuren, die auf eine um 1320 erbaute Wasserburg hindeuten. Um 1528 errichtete Kurfürst Joachim I. auf dem Gelände ein Burgschloss mit fünf Türmen. Dieses wurde von Kurfürst Joachim Friedrich 1598/99 durch ein kleines Schloss ersetzt, das für dessen Frau Katharina bestimmt war. Dieses hatte eine Länge von 60 und eine Breite von 14 Metern. In den drei Geschossen befanden sich 38 Räume, darunter im 2. Obergeschoss ein großer Saal und eine sogenannte Tafelstube.

Der Neubau konnte durch den frühen Tod der Kurfürstin jedoch nicht vollständig fertiggestellt werden. Da Eleonore, die zweite Frau von Joachim Friedrich, ebenfalls früh starb, verlor der Kurfürst schließlich ganz das Interesse am Schloss und weilte fortan in Joachimsthal, nördlich von Berlin. Das Schloss verlor an Bedeutung und wurde schließlich verpfändet.

3. Die Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640-1688)

Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm erwarb das Schloss 1660. Zwischen 1664 und 1669 ließ er ein neues Schloss nach holländischem Vorbild errichten, das aber bereits wenige Jahre später zu klein war und deshalb von 1679 - 1682 auf die doppelte Länge erweitert wurde. Der Hauptbau wurde dreigeschossig ausgebaut. Mit dem vergrößerten und neu gestalteten „Lustgarten“ wurde das Schloss zu einer repräsentativen Residenz und nahm eine beherrschende Stellung am bürgerlichen Zentrum, dem Alten Markt, ein. Das Stadtschloss hatte damit die flächenmäßige Ausdehnung im Stadtraum erreicht, die bis zum Abbruch 1959/60 bestand und jetzt wieder vom Landtag eingenommen wird.

Im Hauptflügel, dem „Corps de Logis“, lag im ersten Obergeschoss ein repräsentativer Saal, der spätere „Marmorsaal“. Darunter befand sich im Sockelgeschoss des Schlosses ein ebenerdig mit dem „Lustgarten“ verbundener, mit Gewölben ausgestatteter Saal, der in den Sommermonaten als angenehm kühler Speisesaal zur Verfügung stand, aber auch als Aufbahrungsort für verstorbene Angehörige der kurfürstlichen Familie genutzt wurde.

Der Große Kurfürst erließ im Stadtschloss 1685 das „Potsdamer Toleranzedikt“: Den in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten protestantischen Hugenotten bot er darin freie und sichere Niederlassung in Brandenburg an; Flüchtlinge erhielten großzügige Privilegien.

4. Die preußischen Könige und das Schloss

Friedrich I., der erste preußische König (1688-1713)
Im Jahre 1688 war Kurfürst Friedrich III. seinem Vater dem Großen Kurfürsten auf den Thron gefolgt. Durch seine Selbstkrönung zum König Friedrich I. von Preußen 1701 in Königsberg entstand das neue Königreich Preußen. In Vorbereitung der Königskrönung und um den neuen Status zu repräsentieren, kam es zu markanten äußeren Veränderungen am Schloss und im „Lustgarten“: Es wurde ein neues Eingangsportal nach französischem Vorbild erbaut. Die Figur auf der Spitze, die Glücksgöttin Fortuna, führte später zur Bezeichnung: „Fortunaportal“. Das Schloss wurde zu einem Ort rauschender Feste und 1709 sogar eines Treffens mit dem sächsischen und dänischen König.

Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“ (1713-1740)

Der Soldatenkönig fasste wegen der äußerst schlechten Staatsfinanzen, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hatte, den Entschluss, möglichst viele seiner Schlösser zu verkaufen und nur wenige zu behalten. Das Potsdamer Stadtschloss war eines der wenigen Schlösser, das in seinem Besitz verblieb, doch nutzte er es im Unterschied zum Schloss Charlottenburg nicht zu Repräsentationszwecken, sondern nur als Wohnstätte für seine Familie. Der Saal im Kellergewölbe wurde 1726 zu einem Weinkeller umgestaltet und im Übrigen am Schloss nur kleine Reparaturen durchgeführt, während der König Potsdam zur Garnisonsstadt ausbaute. Die Stadterweiterung ergab durch die regelmäßige Einteilung in Quartiere eine markante Schachbrettform und richtete sich an den großen Straßenachsen aus der Zeit des Großen Kurfürsten aus, die auf das Schloss zuliefen. Der Stadtausbau bezog sich somit vollständig auf das Schloss, dessen Lage zwischen dem Stadtkern im Norden und der Havel im Süden es aus allen Richtungen zu einem wichtigen Orientierungspunkt machte.

Friedrich II., „der Große“, der „Alte Fritz“ (1740-1786) und seine neue Residenz

1740 wurde Friedrich II. König von Preußen. In seinen ersten Amtsjahren nutzte er das Schloss Charlottenburg als Wohnsitz. Ab 1743 bezog er dann im Potsdamer Stadtschloss, östlich des Marmorsaals, eine Wohnung. Trotz Ausbesserungsarbeiten an der Fassade war Friedrich II. unzufrieden mit dem Gesamtbild des Stadtschlosses. Mit Hilfe des Architekten Baron Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff wurde das Schloss 1744 bis 1751 ausgebaut und erhielt seine endgültige Gestalt, die über 250 Jahre später Vorbild für den Neubau des Landtages werden sollte.
Es wurden grundlegende Änderungen an der Fassade vorgenommen, die eine einheitliche Gliederung erhielt. Das repräsentative Treppenhaus sollte den Mittelteil des Schlosses mit dem Zugang zum großen Saal hervorheben.
 
Friedrich II. stattete das Gebäude mit erlesenen Einrichtungsgegenständen aus und dokumentierte auch durch die Bautätigkeit um das Stadtschloss herum, dass er sich für Potsdam als königliche Residenzstadt entschieden hatte, deren Zentrum das Knobelsdorff'sche Schloss im Stil des Friderizianischen Rokoko darstellte. Durch das Zusammenspiel mit den Gebäuden am Alten Markt war einer der schönsten Plätze Europas entstanden. Während das Stadtschloss somit zu repräsentativen Zwecken genutzt und im Winter von Friedrich II. auch bewohnt wurde, entstand ebenfalls im Rokoko-Stil von 1745 bis 1747 als Wohnschloss für den Sommer das Schloss Sanssouci, in dem der König nur von ihm ausgewählte Gäste empfing.

Friedrich Wilhelm II., „der dicke Lüderjahn“  (1786-1797)

Der neue Bewohner des Stadtschlosses teilte die Liebe seines Onkels Friedrich II. für die Formen des Barock und Rokoko nicht. Daher gab er seine Wohnung in der Nordwestecke des Schlosses an seine Söhne Friedrich und Ludwig weiter und ließ von 1787 bis 1792 für sich im „Neuen Garten“ das „Marmorpalais“ im frühklassizistischen Stil errichten. Auch verlegte er die Residenz wieder nach Berlin in das Schloss Charlottenburg. Wegen seines Lebenswandels als Genussmensch stand er in geringem Ansehen; die Neuruppiner setzten ihm jedoch 1829 ein – 1998 rekonstruiertes – Denkmal, weil er die Stadt nach dem großen Stadtbrand im klassizistischen Stil wieder aufgebaut hatte.

Friedrich Wilhelm III. (1797-1840)

Zwar verblieb nach dem Regierungswechsel das Schloss Charlottenburg die Residenz, doch unterhielt Friedrich Wilhelm III. auch nach seiner Hochzeit mit der Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz weiterhin eine Wohnung im Stadtschloss, in dem er ab 1799 Umbauten durchführen ließ. Das Paar hielt sich dort bis zum Tode Luises (1810) gern auf.

Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) bewohnte während seiner Amtszeit ebenfalls das Stadtschloss als Winterdomizil. Seine Ideen zur Umgestaltung, insbesondere der Fassade zum „Lustgarten“, kamen aber nach seiner Erkrankung nicht mehr zur Ausführung.

Wilhelm I. (1861-1888), Friedrich III. (1888), Wilhelm II. (1888-1918)
Unter den letzten drei preußischen Königen, zugleich Deutsche Kaiser, ließ das Interesse an Potsdam deutlich nach. Ihre Wohnsitze befanden sich meist in Berlin, während das Schloss nur noch als Zweitwohnsitz diente. Aus Respekt vor dem Werk Friedrich II. wagte man es auch nicht mehr, die in dessen Amtszeit entstandene Gestaltung des Gebäudes zu verändern.

5. Das Ende des Stadtschlosses

Am 9. November 1918 versammelten sich auf dem Gelände des Stadtschlosses Menschen, die der Schlosswache die Gewehre entrissen und in das Gebäude eindrangen, ohne es jedoch zu plündern. Damit war symbolisch die Herrschaft des preußischen Königtums beendet.
Nach der Revolution von 1918 – dem Ende der Monarchie - gehörte das Schloss zu der aus dem kaiserlich-königlichen Hofmarschallamt hervorgegangenen Krongutverwaltung und wurde nach dem Vertrag über die Vermögensauseinandersetzung des Staates Preußen in den Bestand der 1927 gegründeten Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten aufgenommen.

In der Weimarer Republik saß hier der Magistrat; seit dem 10. September 1920 tagte im neuen Schlosssaal die Stadtverordnetenversammlung. Im Gebäude wurden Dienstwohnungen geschaffen und waren das Arbeitsamt und zum Teil die Stadtverwaltung untergebracht.
Der Gelbe Salon, Wohnraum Königin Luises, wurde 1932 rekonstruiert und zu Pfingsten 1932 wieder für das Publikum geöffnet. 1941 wurde der Museumsbetrieb eingestellt.

Am 14. April 1945 brannte das Stadtschloss nach einem britischen Luftangriff auf die Stadt bis zur Umfassungsmauer nieder. Nur wenige Teile der überaus kostbaren Innenausstattung waren zuvor in Luftschutzbunker oder andere Gebäude ausgelagert worden. Die gesamten im Schloss verbliebenen Raumausstattungen gingen hingegen durch den Brand unwiederbringlich verloren. Auch die Außenfassade des Schlosses hatte bei dem Angriff schwere Schäden erlitten. Sprengbomben hatten eine Schneise durch den Westflügel geschlagen und auch das „Fortunaportal“ weitestgehend zerstört. Die restlichen Fassaden blieben hingegen, wenn auch durch den Brand beschädigt, fast in ihrer gesamten Ausdehnung noch bis in Höhe des Dachgesimses erhalten.

6. Die Abrissentscheidung

Nach Diskussionen um einen Wiederaufbau oder den Erhalt der Ruine beschloss die Stadtverordnetenversammlung Potsdam am 13. November 1959 den Abriss. Zuvor hatte das Politbüro des ZK der SED das Schicksal der Ruine bereits am 12. Mai 1959 besiegelt.
Von November 1959 bis April 1960 erfolgte der Abriss der verbliebenen Reste des Stadtschlosses. Zu Beginn der Abrissarbeiten kam es zu einer symbolträchtigen Sprengung des „Fortunaportals“; eine weitere Sprengung erfolgte gegen deren Ende am Südflügel, dessen Mauern wegen der eingebundenen Vorgängerbauten besonders massiv waren. Das Abrissmaterial wurde an viele Orte verbracht. Im Stadion, das zwischen 1947 und 1949 im „Lustgarten“ entstanden war, wurden lose Trümmer und ein Teil des Westflügels verbaut.

Gegen den Abriss erhoben sich Proteste von Künstlern, Architekten und Potsdamer Bürgern.

In einem Protestschreiben an den Rat des Bezirkes Potsdam brachten 15 Architekten und Ingenieure des VEB Hochbauprojektierung Potsdam ihren Unmut gegen den Abrissbeschluss zum Ausdruck. Sie sahen darin keine städtebauliche Notwendigkeit und eine Zerstörung des baukünstlerischen Ensembles. Am 17. November 1959 wurden sie zum Rat des Bezirkes vorgeladen. Ihnen wurde eindringlich untersagt, weiter gegen die Abrisspläne zu protestieren. Der frühere langjährige Direktor des Potsdam Museums, Hartmut Knitter, hat die Hilflosigkeit der DDR-Behörden in der Ausstellung des Landtages Brandenburg „Schaustelle Landtag“ sehr anschaulich dargestellt. Er konnte sich noch gut an ein Plakat mit der Aufschrift: „Fort mit dieser Brutstätte des Feudalismus“ erinnern. Der frühere Leiter des Institutes für Denkmalpflege der DDR, Ludwig Deiters, konnte immerhin eine Bergungsliste von noch 368 erhaltenen Elementen erstellen. Auch Bürger retteten spontan einzelne Teile nach dem Abriss.

Um jegliche Erinnerung an das Stadtschloss auszulöschen, wurde nach dem Abriss die Umgebung des Stadtschlosses gezielt mit mehrspurigen Straßen überbaut und anstelle des Stadtschlosses eine große Straßenkreuzung errichtet. Hierdurch verlor auch der im Nordosten des ehemaligen Schlosses gelegene Alte Markt an Bedeutung.
Neben Neubauten um die Nikolaikirche herum, sollte ein Hotelneubau (das heutige „Mercure“) das Gelände des „Lustgartens“ dominieren.

Das einzige Gebäude in der näheren Umgebung, welches Bombenangriffe und Sprengungen mehr oder minder unbeschädigt überstanden hatte, ist der ehemalige Marstall. Auch dieser sollte ursprünglich gesprengt werden, blieb jedoch aufgrund geänderter Stadtplanung erhalten.

Erhalten blieb ebenfalls ein Teil der Ringerkolonnade, die ursprünglich den Marstall mit dem Westflügel des Schlosses verband und die heute als letzter verbliebener Teil einer Ende der 60er Jahre  mit  Schlossteilen eingerichteten Freiflächengestaltung in den  wiederentstandenen Lustgartens nahe dem Havelufer integriert ist.

Als eines der letzten Renommierprojekte der DDR wurde auf dem Areal des ehemaligen Stadtschlosses noch Ende der achtziger Jahre mit einem großen Theaterneubau begonnen. Nach der friedlichen Revolution 1989/1990 regte sich jedoch gegen diesen Bau zunehmend Widerstand. Zunächst wurden Bedenken laut, dass durch den Theaterneubau der Blick auf die Nikolaikirche versperrt werden könnte. Eigentlicher Grund des 1991 erfolgten Abrisses des noch im Rohbau befindlichen Theaters war jedoch, dass der Theaterneubau am Alten Markt als eines der letzten Großprojekte des SED-Regimes bei Bevölkerung und Politik zunehmend unbeliebt geworden war und man sich die Möglichkeit eines Wiederaufbaus des Areals nach historischem Vorbild nicht versperren wollte.

Als mit dem Abriss des Theaterneubaus im Jahr 1991 das Areal des Stadtschlosses wieder zu einer freien Rasenfläche wurde, begannen jahrelange Diskussionen um eine Wiederbelebung der Potsdamer Mitte. Nach den Erfahrungen der DDR-Zeit mehrten sich die Stimmen, die einen Wiederaufbau des Stadtschlosses befürworteten. Für sie kam als einzige Lösung in Betracht, die große Lücke im Stadtbild zwischen dem Alten Markt, der Langen Brücke und der Breiten Straße wieder angemessen zu schließen. Es mangelte jedoch zunächst an einem tragfähigen Konzept sowohl für die Nutzung, als auch für die Finanzierung des Gebäudes. Auch der Umgang mit der großen Straßenkreuzung vor dem Hotel „Mercure“ bereitete Probleme. Da sie auf einem Teil des Schlosskomplexes errichtet worden war, musste man zunächst daran denken, sie zu verlegen, ehe mit einer vollständigen Rekonstruktion begonnen werden konnte.

7. Der Neuanfang mit dem Wiederaufbau des „Fortunaportals“

Die Diskussion um die Gestaltung der Potsdamer Mitte verklang seit dem Abriss des Stadtschlosses nie, weil das verbliebene Areal als eine offene Wunde empfunden wurde. Die Stadt Potsdam bekannte sich bereits 1990 dazu, sich bei der Entwicklung der Stadtmitte am historischen Vorbild zu orientieren. Eine Initialzündung für die Realisierung stellte das „Potsdam Project“ der Sommerakademie für junge Architekten des Londoner Architekturinstituts von Prinz Charles dar („The Prince of Wales’s Urban Design Task Force, Potsdam and Bornstedt 1996“).  Am 25. März 1999 wurde der Förderverein für den Wiederaufbau des „Fortunaportals“ gegründet, von dem nach der Sprengung nur das Fundament und ein paar unter der Erde verborgene Fußplatten erhalten waren. Der Wiederaufbau wurde in traditioneller Bautechnik und unter Verwendung der erhaltenen Originalteile realisiert. Nach dem ersten Spatenstich am 8. September 2000 konnte die feierliche Einweihung am 12. Oktober 2002 erfolgen.

Am 2. Juni 2001 berichtete die Berliner Zeitung: „Fernsehmoderator Günther Jauch will weitermachen, bis das alte Potsdamer Stadtschloss wieder an seinem historischen Ort steht.“  Die Potsdamer dankten vor allem dem bekennenden Potsdamer Jauch und stellvertretend Jürgen Loose vom Bundesverband der Deutschen Zementindustrie, die durch ihre großzügigen Spenden den Wiederaufbau des „Fortunaportals“ ermöglicht hatten.

Durch die Realisierung dieses Projekts keimte die Hoffnung, den 1999 gefassten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung tatsächlich zu realisieren, durch den die Potsdamer Mitte zum Sanierungsgebiet erklärt worden war mit dem Ziel einer „Neubebauung des ehemaligen Stadtschlosses in Annäherung an die historische Kubatur und den historischen Grundriss sowie deren öffentliche Nutzung.“

Da ein Neubau einen Nutzer benötigt und die unangemessene Unterbringung des Landesparlaments offenkundig war, wurde in der öffentlichen Debatte schon sehr bald ein Zusammenhang hergestellt. Angesichts drängenderer Probleme im jungen Bundesland scheuten die Parlamentarier lange, einen so kostenintensiven Beschluss „in eigener Sache“ herbeizuführen. Varianten der Kostenbetrachtung waren daher auch die Sanierung des Gebäudes auf dem Brauhausberg, ein Neubau am Havelufer der Potsdamer Speicherstadt oder auf dem Gelände der Schwimmhalle. Doch die Zahl der Abgeordneten, die einen Neubau an der Stelle des ehemaligen Stadtschlosses bevorzugten, wuchs.

Die Stadt Potsdam ließ im Jahr 2001 eine Teilfläche des ehemaligen Schlosses - erstmals seit dessen Abriss – in einer archäologischen Voruntersuchung erkunden. Auf annähernd 1000 Quadratmetern fand ein zwölfköpfiges Team Zeugnisse der mehr als 700-jährigen Baugeschichte. Dabei wurde erstmals ein größerer Ausschnitt der erhaltenen Baustrukturen des Stadtschlosses und seiner Vorgängerbauten im Zusammenhang untersucht. Wegen der guten Erhaltung der archäologischen Befunde formulierten die Denkmalpfleger das Ziel, die Bodendenkmale weitestgehend zu erhalten und in die Neubebauung des Areals zu integrieren.

Ebenfalls 2001 zeigte - im Rahmen der Bundesgartenschau - die Ausstellung „Minervas Mythos“, was an Originalteilen, Plänen und Fotodokumentationen des Stadtschlosses noch vorhanden war.

8. Der Grundsatzbeschluss

Die Spannung stieg, als der Landtag am 12. Juli 2001 einen Grundsatzbeschluss zu seiner dauerhaften Unterbringung fasste und dabei den Standort noch offen ließ: 
„Nach Abwägung der politischen, finanziellen und städteplanerischen Aspekte seiner dauerhaften Unterbringung spricht sich der Landtag für den Neubau eines Parlamentsgebäudes unter folgenden Bedingungen in der Landeshauptstadt Potsdam aus:

1. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Unterlagen und Gutachten erarbeitet die Landesregierung eine Vorlage für den Landtag, die beschlussreife Optionen für die in Frage kommenden Standorte eines Parlamentsneubaus enthält.
2. Sollte der Standort Brauhausberg nicht in ein Neubaukonzept einbezogen werden, legt die Landesregierung dem Landtag ein Nachnutzungskonzept vor, dass zum einen eine Konzentration der für die Regierungstätigkeit erforderlichen Liegenschaften und zum anderen eine deutliche Reduzierung der Mietkosten für die Unterbringung von Landesbehörden auf nicht im Eigentum des Landes befindlichen Grundstücken erreicht wird.
3. Im engen Zusammenwirken mit Landesregierung und Landesrechnungshof sind zur Sicherstellung der Investition sowohl die Möglichkeit einer privaten Finanzierung als auch der Einsatz privater Steuerungsmodelle zu prüfen.
4. Unter Beachtung der Zielstellung zur Konsolidierung des Landeshaushaltes dürfen bis zum Jahr 2004 lediglich die erforderlichen Planungsmittel und – soweit erforderlich - Mittel zum Grunderwerb verausgabt werden. Die Planungen sind so zu gestalten, dass Aufwendungen für das Bauwerk nicht vor 2004 anfallen.
5. Bei der Planung, Ausführung und Kontrolle des Vorhabens sind im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten die in der Region ansässigen Unternehmen weitestgehend zu beteiligen.
6. Die Planungen müssen berücksichtigen, dass das neue Parlamentsgebäude auch für das Parlament eines gemeinsamen Bundeslandes Brandenburg-Berlin nutzbar ist.“

Ebenfalls im Juli 2001 waren von der Stadt Potsdam bereits die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Neubau durch Aufstellung eines Bebauungsplanes „Potsdamer Stadtschloss“ geschaffen worden.

Nach den Landtagswahlen wurde im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU vereinbart, dass „…die Unterbringung des Landtages dauerhaft verbessert werden muss.“ Im März 2005 legte das Ministerium der Finanzen im Auftrag des Landtages einen Bericht zum Kosten- und Standortvergleich Sanierung Brauhausberg und Neubau auf dem Alten Markt vor.

Am 20. Mai 2005 fasste der Landtag endlich den entscheidenden Beschluss zum Standort : Bis 2011 sollte ein neuer Landtag in den Um- und Aufrissen des historischen Potsdamer Stadtschlosses errichtet werden. Die Stadt Potsdam wurde gebeten, die nötigen Vorarbeiten durchzuführen und das Grundstück anschließend an das Land zu verkaufen. Über die Gestaltung des Gebäudes herrschte zunächst Unklarheit; jedenfalls sollte ein Kostenrahmen von 80 Millionen Euro eingehalten werden.

Auf der Basis eines vom Landtagspräsidium am 16. November und 7. Dezember 2005 beschlossenen Raum- und Funktionsprogramms wurde vom Minister der Finanzen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Umsetzbarkeit des benötigten Flächen- und Funktionsbedarfs am Standort Alter Markt untersuchen sollte. Hierbei waren die Zielkonflikte zwischen den Wünschen nach Rekonstruktion des Schlosses und den Anforderungen an einen modernen Parlamentsbetrieb zu untersuchen. Das Ergebnis im Februar 2006 zeigte, dass ein funktionsfähiges modernes Parlamentsgebäude unter Wahrung der historischen Proportionen und der historisch getreuen Rekonstruktion der nördlichen Kopfbauten möglich war.

Dabei sollte aber zunächst nur der nördliche Teil zum Alten Markt historisch gestaltet werden. Dies führte bei vielen Stadtverordneten in Potsdam, die über den Bebauungsplan beschließen sollten, zu Unmut. Unter den Bürgern der Stadt und den Politikern der Stadtverordnetenversammlung Potsdam entflammte ein Streit zwischen Befürwortern des Originals und denen einer modernen Fassade. Der bereits beschlossene Standort des neuen Landtages, der Alte Markt, wurde nun wieder in Frage gestellt und das Projekt drohte ernsthaft wieder zu scheitern.

9. Potsdamer Bürger kämpfen für „ihr Schloss“

Eine Bürgerbefragung der Stadt Potsdam vom 16. bis 31. Dezember 2006 brachte ein klares Ergebnis: Für den „Standort in der Mitte Potsdams auf dem Grundriss des ehemaligen Stadtschlosses“ waren 24.172 Bürger, also 42,8 %. Dagegen sprachen sich für den Standort des ehemaligen „Palais Barberini“ an der Alten Fahrt nur 7.212 Bürger, also 12,8 %, aus. Für einen Standort in der Speicherstadt waren 16.089 Bürger, 28,5 % und für einen ganz anderen Standort 8.287 Bürger, 14,7 %. Insgesamt beteiligten sich 56.473 Potsdamerinnen und Potsdamer an der Bürgerbefragung, das entspricht 46,1 Prozent der wahlberechtigten Einwohner der Stadt (122.407). Oberbürgermeister Jann Jakobs: „Ich werte diese außerordentlich hohe Zahl an Rücksendungen als ein Zeichen dafür, dass es ein lebhaftes Interesse an der Gestaltung der historischen Mitte Potsdams gibt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger für ihre Stadt verantwortlich fühlen und sich einbringen wollen. Es ist deutlich geworden, dass mit einem Landtagsneubau zugleich Stadtentwicklung betrieben werden soll. Das ist auch ein Handlungsauftrag für die Stadtverordnetenversammlung.“

Die Schlossbefürworter kämpften indes weiter für die Originalfassade und warben öffentlich um Spendengelder.

Nach dem Landtagsbeschluss vom 20. Mai 2005 sollte der Neubau in Form einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) errichtet werden. Mit der Umsetzung wurde entsprechend der Geschäftsordnung der Landesregierung der Minister der Finanzen beauftragt, der im Vergabeverfahren aufgrund der aktuellen Diskussionen einem enormen Zeitdruck ausgesetzt war. Am 27. November 2007 informierten der damalige Finanzminister Rainer Speer und Prof. Hasso Plattner die Öffentlichkeit über eine Spende der Hasso-Plattner-Förderstiftung in Höhe von 20 Millionen Euro an das Land Brandenburg. Die Spende war vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatte laut Vertrag „zur größtmöglichen Wiederannährung des Landtagsgebäudes an Gliederung und Erscheinung der äußeren historischen Fassade des Potsdamer Stadtschlosses unter Einsatz vorhandener historischer Bauteile bzw. erforderlichenfalls von Nachfertigungen einzusetzen.“
Nach dieser guten Nachricht über die Spende mussten jedoch die Vergabeunterlagen entsprechend ergänzt werden. Somit konnte dem Wunsch vieler Potsdamer Bürger entsprochen werden, die eine moderne Fassade verhindern wollten. Bei der Rekonstruktion der Fassade sollten auch Fragmente der Originalsubstanz – zum Teil große Originalskulpturen – die von der Sprengung verschont geblieben waren, wieder integriert werden.

Das Bieterkonsortium um die Royal BAM Group mit dem Architekten Prof. Peter Kulka erhielt den Zuschlag. Am 2. September 2009 wurde der Projektvertrag unterzeichnet, der eine Sonderfinanzierung im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft vorsieht. Der Investor wurde mit der Planung, Errichtung, Finanzierung und dem Betrieb des Landtagsgebäudes für die Dauer von 30 Jahren beauftragt. Dafür erhält er ab Übergabe des Bauwerks die vertraglich vereinbarten Zahlungsraten und Entgelte für das Gebäudemanagement. Aufgrund des gewählten Vertragsmodells bleibt das Land über die gesamte Laufzeit Eigentümer der Immobilie.

10. Der neue Landtag nimmt Gestalt an

2006 wurde mit der bauvorbereitenden archäologischen Untersuchung auf den ca. 15000 m² des Stadtschlossareals begonnen und nach einigen Unterbrechungen im Januar 2011 abgeschlossen. Zahlreiche, oft auch überraschende Funde von der Mittelsteinzeit bis zur letzten Nutzungsphase des Schlosses wurden dabei entdeckt. Jungsteinzeitliche Gräber und Erdwerke, eine germanische Siedlung, in der Eisen verhüttet wurde, Ackerspuren aus der Zeit des slawischen Burgortes „Poztupimi“, eine bisher unbekannte mittelalterliche Wehranlage mit hölzernem Turm und Wassergraben und völlig neue Erkenntnisse zu den Burg- und Schlossanlagen des 16.-18. Jahrhunderts sind archäologisch untersucht und dokumentiert worden, bedürfen aber noch der wissenschaftlichen Auswertung. 
Auf ca. 3000m² sind unter dem Landtagsneubau und im Innenhof Fundamente der Burg- und Schlossanlagen erhalten geblieben. Am 25. März 2010 vollzogen Landtagspräsident Gunter Fritsch, Ministerpräsident Matthias Platzeck, Finanzminister Dr. Helmuth Markov, Architekt Prof. Peter Kulka und Oberbürgermeister Jann Jakobs den ersten Spatenstich.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. Februar 2011. Anwesend war auch Prof. Hasso Plattner, der im November 2011 für ein originalgetreues Kupferdach - anstelle des geplanten Zinkdaches - erneut spendete. Das Richtfest fand am 24. November 2011 am Nordflügel statt.

11. Die Schlüsselübergabe an den Parlamentspräsidenten

Nach 3 ½ jähriger Bauzeit wurde der Neubau am 10. Oktober 2013 vom Minister der Finanzen an den Landtagspräsidenten übergeben. Der Landtagspräsident würdigte die Arbeit des Architekten, dem es gelungen sei, den gefundenen Kompromiss, einen modernen Landtag in einer historischen Hülle zu errichten, meisterlich zu realisieren.

12. Der Architekt und die Gebäudegestaltung

Prof. Peter Kulka stand vor der riesigen Herausforderung in der vorgegebenen Kubatur des Schlosses das wesentlich größere Volumen eines Landtagsgebäudes unterbringen zu müssen. Dennoch entschied er sich dafür, die gesamte äußere Gestalt in der Knobelsdorff-Fassade wiederherzustellen, einschließlich des Innenhofes.

Die Verbreiterung des Hauptbaus zur Unterbringung des Plenarsaals und der beiden Seitenflügel führten zur Verkleinerung des Innenhofes um ein Viertel des früheren Areals. Die Mauern sind jeweils über einen Meter dick.
Dem Architekten ist es auch gelungen, die Innenhoffassaden so weit wie möglich dem historischen Vorbild anzunähern, obwohl im Gebäude ein völlig neuer Grundriss vorgenommen wurde. Die Abweichungen sind dabei aus funktionalen Gründen im Innenhofbereich größer als bei den Außenfassaden des Gebäudes.

Eingangssituation und „historisches Treppenhaus“
Der Eingang in den Landtag erfolgt nach dem Entwurf von Prof. Peter Kulka durch das „Fortunaportal“ in den Innenhof, der ein öffentlich betretbares Bürgerforum sein soll.

Der Eingangsbereich des Gebäudes - das sogenannte Knobelsdorff-Treppenhaus – soll das Spannungsfeld zwischen der historischen Fassade des Gebäudes und dem modernen, minimalistischen Inneren des Gebäudes auflösen.
Im Juni 2012 entfachte ein Streit über die Gestaltung des historischen Treppenhauses: Die Bürgerinitiative Mitteschön forderte die Errichtung des Originalgeländers.

Demgegenüber legte Prof. Kulka der Kunst- und Ausstattungskommission des Landtages den Entwurf für eine geschwungene weiße Mauer mit bronzenem Handlauf statt des gusseisernen, geschmiedeten Geländers der Knobelsdorff-Originaltreppe vor, die dem auch zustimmte. Auch wenn zuvor angekündigt worden war, das Treppenhaus weitestgehend historisch mit Originalteilen herzurichten, folgten die Abgeordneten der Argumentation des Architekten, dass das Treppenhaus der Übergang zwischen der historischen Außenfassade nach Knobelsdorff und dem modernen Parlament im Inneren sei, nach seinen Worten „der Übergang in die sachliche, einfache Welt.“

Ein weiterer Grund für die getroffene Entscheidung war, dass dem Einbau von Teilen des noch vorhandenen Geländers Sicherheitsbedenken entgegenstanden. Andererseits gelang es jedoch im letzten Moment noch, das historische Deckengewölbe zu realisieren.

Bei den im Treppenhaus eingebauten vier Atlanten und Platten handelt es sich um Originalteile, wobei der Architekt darauf Wert gelegt hat, dass die Atlanten nicht restauriert werden, um nicht die Spuren ihrer Geschichte zu verwischen.

Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befindet sich im Südteil das Landtagsfoyer mit dem Ausstellungsbereich, der Cafeteria, der Garderobe sowie den Räumen für die Besuchergruppen und Pressekonferenzen der Landespressekonferenz, die ebenfalls ihren Sitz im Landtagsgebäude eingenommen hat. Auf dem Boden des linken dieser drei variablen Räume ist unter einer 4,2 mal 8 Meter großen Glasplatte in einem archäologischen Fenster ein Teil des in den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts mit schwedischen Kalksteinplatten gestalteten Fußbodens des kurfürstlichen Gartensaals und späteren Weinkellers sichtbar gemacht worden.

Direkt darüber, im 1. Obergeschoss, befindet sich das Herzstück des Gebäudes, der Plenarsaal (früher Festsaal/Marmorsaal) sowie der Präsidialbereich mit den Büros des Landtagspräsidenten, der Vizepräsidentin und des Landtagsdirektors. Zu einem noch anhaltenden Streit hat geführt, dass die Kunstkommission des Landtages dem Vorschlag des Architekten gefolgt ist, im Plenarsaal einen weißen und nicht dem - Wappentier des Landes Brandenburg entsprechend - einen roten Adler anzubringen. Dazu Landtagspräsident Gunter Fritsch: „Die entscheidende Frage, und da müssen sich die Abgeordneten positionieren, ist: Gehört an die Stirnseite des Plenarsaals ein Kunstwerk oder ein Landeswappen? ….Der Architekt möchte dort ein Kunstwerk haben. Es gibt auch keine bundeseinheitliche Verfahrensweise, was in den Plenarsälen zu hängen hat und im Bundestag hängt ,die fette Henne‘, also auch ein Kunstwerk. Lassen wir die Abgeordneten erst einmal ihre Arbeit im neuen Plenarsaal aufnehmen. Die Abgeordneten müssen sich irgendwann entscheiden zwischen Kunst und Wappen.“

Im 2. Obergeschoss befinden sich eine Gäste- und zwei Pressetribünen. Auf dieser Ebene liegen auch ein Büro des Ministerpräsidenten und die Räumlichkeiten des rbb.

Das 4. Obergeschoss beherbergt das Landtagsrestaurant mit 160 Plätzen und einer großen Dachterrasse sowie die Bibliothek.

Im Westflügel
ist im Erdgeschoss der Parlamentsdienst der Landtagsverwaltung untergebracht. Darüber im 1. Obergeschoss befinden sich die wesentlichen Räumlichkeiten der SPD-Fraktion mit dem Fraktions- und Ausschussraum im südwestlichen Kopfbau.

Im 2. Obergeschoss ist der überwiegende Teil der Fraktion DIE LINKE – ebenfalls mit einem großen Ausschussraum, der als Fraktionsraum genutzt wird - untergebracht.

Diese Aufteilung findet sich ebenso im 3. Obergeschoss wieder, in dem überwiegend die CDU-Fraktion untergebracht ist.

Im Ostflügel
ist im Erdgeschoss die Abteilung Verwaltung des Landtages untergebracht, im 1. Obergeschoss die FDP-Fraktion, wobei sich im hinteren Bereich zum „Fortunaportal“ einige Büros des Landesrechnungshofes befinden.

Im 2. Obergeschoss befinden sich die Räumlichkeiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und ebenso Büros des Landesrechnungshofes im hinteren Bereich.

Über die Büros im 3. Obergeschoss verfügt allein der Landesrechnungshof als Mitnutzer des Gebäudes.

13. Fakten zum Neubau und Umfeld

Fassaden und Figuren
Die Fassaden wurden dem historischen Vorbild entsprechend wieder mit Fassadenschmuck aus Sandstein aufgebaut; vorhandene Originalteile des Schlosses, wie die 307 Spolien, dabei einbezogen. Auf der Westseite an der Außenfassade befindet sich in goldenen Buchstaben der Schriftzug „Ceci n’est pas un chateau“, womit eine Idee der Potsdamer Künstlerin Annette Paul realisiert wurde.

Die Attiken der äußeren Fassaden wurden konstruktiv für die Aufstellung des vorhandenen bzw. nach historischem Vorbild anzufertigenden Figurenschmucks vorgerüstet. Die Wiederherstellung des Figurenschmuckes soll durch Spenden ermöglicht werden.

Die erhaltenen antikisierenden Figuren, die Friedrich II. für das Potsdamer Stadtschloss anfertigen ließ, befinden sich heute auf dem Dach der Berliner Humboldt-Universität (acht Figuren) und im Skulpturendepot der Staatlichen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

„Dort standen die insgesamt 76 nackten Helden und Götter rund 200 Jahre lang, bis sie fast alle bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg und bei der Sprengung des Schlosses 1959/60 zerstört wurden. Aber eben nur fast: Denkmalpflegern war es damals gelungen, einige wenige Attikafiguren vor der Zerstörung des Schlosses zu retten, und lagerten die kostbaren Kunstwerke ein. Sechs Jahre nach der Sprengung gingen acht Figuren als Leihgabe nach Berlin. Statt auf unbestimmte Zeit in einem Depot zu liegen, sollten sie die wiederaufgebaute Humboldt-Universität schmücken. Jetzt ist aber auch das Potsdamer Stadtschloss wiederaufgebaut, und viele sind der Meinung, die Figuren sollten wieder in die brandenburgische Landeshauptstadt zurückkehren. Bereits seit Jahren wird darum gerungen, doch nun ist es offenbar endgültig entschieden: Die Figuren bleiben in Berlin.“
In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage machte die Landesregierung deutlich, dass weitere Erörterungen zu dem Thema nicht notwendig seien, da sich die Eigentümerin der Figuren - die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg - für ihren Verbleib auf der Humboldt-Universität ausgesprochen hat.
Der Verein Potsdamer Stadtschloss, der für die Rekonstruktion oder Sanierung der Sandsteinfiguren Spenden einwirbt ist darüber enttäuscht. Das Berliner Denkmalamt gab die Empfehlung, stattdessen Kopien anfertigen zu lassen.

Innenhof
Die Innenhoffläche des ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses betrug 6325 m²; der Hof des neuen Landtages Brandenburg ist bei einer Grundstücksgröße von 11.500 m² rund 4.800 m² groß.
Damit bleibt der von repräsentativen, ebenfalls dem historischen Vorbild angenäherten Fassaden umgebene Innenhof weitgehend frei von Bebauung.

Der öffentlich zugängliche Innenhof, der großzügige Eingangsbereich sowie die Dachterrasse unterstreichen mit Nachdruck den Anspruch des Landtagsgebäudes, auch außerhalb des parlamentarischen Betriebes ein offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger zu sein.

Plenarsaal
Das Herzstück des Landtages ist der Plenarsaal mit einer Größe von 472 m². Er bietet Platz für 88 Abgeordnete, 31 weitere Plätze für Regierungsmitglieder, Landtagsverwaltung und Stenografen und verfügt über eine Gästetribüne für 160 Besucher. Im Fall einer Fusion sind die derzeit 88 Parlamentssitze auf 150 Abgeordnete erweiterbar.

Nutzflächen
Die Nutzfläche des Gebäudes, einschließlich der Tiefgarage, beträgt rund 19.000 m², der Bruttorauminhalt rund 150.632 m³ und die Bruttogeschossfläche rund 34.525 m². Die Gebäudeabmessung beträgt rund 94 m x 123 m, die Gebäudehöhe: rund 21,40 m. Im Gebäude befinden sich insgesamt 390 Büroarbeitsplätze. Die Tiefgarage verfügt über 166 Kfz-Stellplätze (davon 9 Behindertenparkplätze) und 100 Fahrradstellplätze.

Marstall und Ringerkolonnade
Zum Schloss-Ensemble gehörte auch der Marstall, in dem heute das Filmmuseum Potsdam untergebracht ist. Er wurde 1685 im historischen Zentrum von Potsdam als Orangerie des damaligen Stadtschlosses, westlich davon errichtet und ist das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Es bekam seine heutige Gestalt im 18. Jahrhundert durch den Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der den inzwischen zum Reitpferdestall der Preußenkönige umgewidmeten Bau erweiterte und verschönerte.

Der Marstall war durch die Ringerkolonnade mit dem Stadtschloss verbunden. Diese 1746 nach einem Entwurf von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtete Kolonnade bestand aus ursprünglich 14 Säulenpaaren, die als transparenter und für Fußgänger durchlässiger Raumteiler eine Abgrenzung des Lustgartenareals darstellten. Ihren Namen erhielt die Kolonnade durch die von berühmten Potsdamer Bildhauern geschaffenen Skulpturen von insgesamt acht Ringer- und Fechtergruppen zwischen den Säulenpaaren.

Die Ringerkolonnade ist auf ungefähr der Hälfte ihrer Länge bei dem britischen Bombenangriff auf Potsdam zerstört worden. Der erhaltene Teil wurde nach dem Abriss der Stadtschlossruine einige hundert Meter vom ursprünglichen Standort entfernt in die Nähe des heutigen Hotels „Mercure“ versetzt und steht heute am Rande des Neuen Lustgartens neben dem „Neptunbecken“ in der Nähe der Anlegestelle der Weißen Flotte.

Dieser aufgestellte und inzwischen stark restaurierungsbedürftige restliche Teil besteht aus sechs Säulenpaaren und vier Ringer- bzw. Fechtergruppen.
Über seine notwendige Restaurierung und anschließende Rückführung an den originalen Standort nach dem nun fertiggestellten Landtagsneubau in Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses wird diskutiert. Eine Wiedererstehung der Ringerkolonnade in ihrer vollen Länge am Originalstandort ist jedoch durch die heutige Straßenbahntrasse, die zwischen Marstall und Landtagsgebäude verläuft, nicht möglich.

Otto-Braun-Platz
Am 19. März 2013 enthüllten Oberbürgermeister Jann Jakobs, Landtagspräsident Gunter Fritsch, Ministerpräsident Matthias Platzeck und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Peter Schüler am Havelufer zwischen der Langen Brücke und dem neu entstehenden Landtag ein Schild mit dem Namen Otto-Braun-Platz.
Landtagspräsident Gunter Fritsch: „Für den durch den Neubau des Landesparlaments entstehenden Platz kann es keinen geeigneteren Namen als den des großen Demokraten Otto Braun geben. Sein Wirken stellt einen wesentlichen Teil der Tradition unserer Demokratie dar, die wir auch heute wieder gegen den Rechtsextremismus zu verteidigen haben. Der neue Landtag mit historischer Hülle und modernem Innenleben wird Mittelpunkt der parlamentarischen Willensbildung des gesamten Landes und Anziehungspunkt für Besucher aus nah und fern sein.“

Unter der Verantwortung des Ministerpräsidenten Otto Braun betrieb die preußische Regierung in den Jahren der Weimarer Republik auf allen Ebenen der staatlichen Verwaltung eine systematische Demokratisierung. In seiner Regierungszeit entwickelte sich Preußen zu einem „Bollwerk der Demokratie“. Es entstanden funktionstüchtige staatliche Institutionen, die mit prinzipienfestem, demokratischem Personal besetzt wurden.
Nach der Fertigstellung des Umfeldes und Umgestaltung der Alten Fahrt ist geplant, eine Büste zu Ehren Otto Brauns auf dem nach ihm benannten Platz aufzustellen.

Durch den Otto-Braun-Platz wird auch verdeutlicht werden, dass das an ihm gelegene Gebäude trotz seiner historischen Fassade nun keine Fürstenresidenz mehr beherbergt, sondern eine demokratische Institution. Daher wünscht sich der Landtagspräsident, künftig in der Umgangssprache nicht mehr vom Stadtschloss, sondern vom Landtagsschloss zu sprechen.

Az: 008-03